Leistungen

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE)

Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung gemäß § 35 SGB VIII i. V. m. § 27 (1) SGB VIII ist eine auf längere Dauer angelegte Hilfe zur Erziehung, die sich vorwiegend an Jugendliche und junge Volljährige richtet, die nicht oder nicht mehr von anderen Jugendhilfemaßnahmen erreicht werden können. Sie zeichnet sich durch eine weitgehend freie Ausgestaltung und teilweise unkonventionellen Methoden aus.

Durch den engen Betreuungsrahmen entstehen Abhängigkeitsverhältnisse, in welchen es zu Konfrontationen und Eskalationen kommen kann. Wir bieten Personal, welches mit diesen besonderen Belastungen umgehen kann und den Jugendlichen Identifikationsmöglichkeiten, Grenzen, Struktur und Platz für eigene Projektionen bietet. Für diese Jugendlichen halten wir ein breites Spektrum an materiellen und infrastrukturellen Ressourcen vor. Wie und wann diese methodisch eingesetzt werden, wird im Einzelfall in einem auf die Jugendliche/ den Jugendlichen zugeschnittenen Konzept erarbeitet.

Zielgruppen intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung sind Jugendliche und junge Volljährige (i. V. m. § 41 SGB VIII)

  • ohne stabiles (positives) soziales Umfeld und Bezugspunkte
  • die selbst- und/oder fremdgefährdend sind
  • mit erhöhtem Hilfebedarf bezüglich ihrer sozialen Integration
  • die mit vielen Beziehungsabbrüchen, Belastungen und Krisen (Gewalterfahrung, Missbrauch, Drogenkonsum) konfrontiert waren/ sind
  • die in stationären Jugendhilfemaßnahmen nicht betreut werden wollen oder können
  • deren Lebenssituation durch schwierige Familienverhältnisse und soziale Benachteiligung gekennzeichnet ist

Ziele

In der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung stehen die Förderung sozialer Kompetenzen und kommunikativer Fähigkeiten, die Entwicklung von Perspektiven und die Erarbeitung angemessener Konfliktlösungsstrategien im Vordergrund. Ziel ist es, den Jugendlichen und jungen Volljährigen unter Einbeziehung ihrer eigenen Ressourcen und der Ressourcen ihres Sozialraumes zu einer eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Lebensführung zu verhelfen und eine soziale Integration zu erreichen. Hier kommt der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und Herausforderung eine besondere Bedeutung zu. Die/ der Jugendliche

  • arbeitet an alltäglichen Aufgaben und der Lösung von Problemen.
  • entwickelt alternative Verhaltensweisen im Umgang mit Konflikten.
  • verfügt über geeignete Methoden, mit Frust und Misserfolgen umzugehen und entwickelt positive Verhaltensweisen.
  • vermeidet Delinquenz und Sucht.
  • setzt sich mit Werten und Normen auseinander.
  • arbeitet an der Beziehung zum Herkunftssystem.
  • hat sich mit ihrer/ seiner Vergangenheit auseinandergesetzt.
  • entwickelt ein Bewusstsein für das eigene Handeln und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten für andere.
  • arbeitet an ihrer/ seiner Beziehungsfähigkeit.
  • arbeitet an der gesamten Lebenssituation unter Einbeziehung der Bereiche Finanzen, Wohnen, Gesundheit und Umgang mit dem sozialen Umfeld.

Spezifische Arbeitsweisen und Methoden sind unter anderem:

  • erlebnispädagogische Angebote
  • Biografiearbeit
  • verlässliches und stabiles Beziehungsangebot
  • positive Verstärkung
  • Schaffung von Aufgaben und Erfolgserlebnissen
  • Tagesstrukturierung
  • Konfrontation
  • Spiegeln
  • Rollenspiele
  • Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Restorative Justice
  • Anleitung und Begleitung

Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)

Die sozialpädagogische Familienhilfe gemäß § 31 SGB VIII i.V.m. §27 (1) SGB VIII ist eine mehrdimensional und mehrperspektivisch agierende Hilfe zur Erziehung, welche innerhalb des Familiensystems arbeitet und das soziale Netzwerk einbezieht.

Zielgruppen sozialpädagogischer Familienhilfe sind Familien oder alleinerziehende Personen

  • in Krisensituationen wie Gewalt, Sucht oder Verschuldung
  • mit Defiziten und Überforderung im Erziehungsverhalten,
  • mit einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung
  • mit Problemen und Unterstützungsbedarf in der Alltagsbewältigung,
  • die Hilfe annehmen können und für Veränderung offen sind.

Ziele

Die sozialpädagogische Familienhilfe ist eine ambulante Jugendhilfemaßnahme, die sich innerhalb des vertrauten Umfelds ihrer Adressaten bewegt. Sie wirkt familienunterstützend und vermittelt zwischen den einzelnen Akteuren.

Sie will Erziehungskompetenzen reaktivieren, stärken und sichern und die Eltern zur selbständigen Wahrung ihrer Aufgaben befähigen:

  • Die Eltern nehmen ihre Erziehungsaufgaben, dem Kindeswohl entsprechend, wieder eigenständig wahr.
  • Die Eltern gewährleisten eine gewaltfreie und für die Entwicklung der Kinder förderliche Erziehung.
  • Der Alltag kann von der Familie frei von staatlicher Unterstützung bewältigt werden.
  • Die Familienmitglieder sind sozial integriert.
  • Die Familie verfügt über geeignete Instrumente, Methoden und Ideen, mit Konflikten und Krisen umzugehen.
  • Die Familienmitglieder sind sich ihrer Ressourcen bewusst und wissen diese zu nutzen.

Spezifische Arbeitsweisen und Methoden sind unter anderem:

  • Beratung in Erziehungsfragen
  • Genogrammarbeit
  • Konfliktmoderation
  • Erarbeitung allgemeiner Erziehungskompetenzen
  • Spiegeln und Perspektivwechseln
  • aktives Zuhören
  • Familienaufstellung/ Familienbrett
  • systemisch lösungsorientierte Beratung
  • Erkundung, Aktivierung und Stabilisierung von Ressourcen
  • modellhaftes Handeln in Schlüsselsituationen
  • Erschließung und Organisation von Fördermöglichkeiten
  • zirkuläres Fragen
  • Aufklärung und Beratung in den Themenbereichen Ernährung, medizinische Versorgung, Hygiene, Pflege und Sexualität/ Verhütung
  • Erarbeitung von Alltagsstrukturen
  • Begleitung bei Behördengängen
  • Ergänzung und Unterstützung der sozialen Integration
  • Erarbeitung von Lösungsmodellen in Krisen und Konfliktsituationen
  • Netzwerkarbeit

Erziehungsbeistand/ Betreuungshelfer

Die Erziehungsbeistandschaft gemäß § 30 SGB VIII i.V.m. § 27 (1) SGB VIII ist eine direkt an Kinder und Jugendliche gerichtete Hilfe zur Erziehung, welche durch das Aufbauen einer vertrauensvollen Beziehung den familiären Erziehungs- und Verselbständigungsauftrag ergänzt.

Zielgruppen der Erziehungsbeistandschaft sind Kinder, Jugendliche und junge Volljährige (i.V.m. § 41 SGB VIII):

  • mit Integrationsproblemen in das Gemeinwesen
  • mit anomischem und/ oder delinquentem Verhalten
  • in familiären Belastungssituationen (auch junge Elternschaft)
  • mit Identifikationsproblemen
  • ohne Perspektive und Zukunftsidee
  • mit Schulabsentismus
  • mit Erziehungs- und Entwicklungsdefiziten

Ziele

Die Erziehungsbeistandschaft zeichnet sich durch eine vertrauensvolle und freiwillige Beziehung aus. Sie begleitet Kinder und Jugendliche durch einen Teil ihres sekundären Sozialisationsprozesses und steht ihnen beratend und unterstützend zur Seite. Es werden gemeinsam und unter Einbeziehung des sozialen Umfelds Perspektiven und Chancen entwickelt sowie Selbsthilfekräfte gestärkt, um die Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (vgl. § 1 (1) SGB VIII) zu unterstützen.

  • Eine Fremdunterbringung kann vermieden werden.
  • Das Kind oder die/der Jugendliche kann in die Herkunftsfamilie zurückgeführt werden.
  • Eine Fremdunterbringung kann begleitet werden.
  • Das Beziehen eigenen Wohnraums und eine eigenständige Lebensführung werden unterstützt und begleitet.
  • Das Kind oder die/der Jugendliche ist schulisch/ beruflich integriert.
  • Erziehungs- und Kommunikationsproblemen konnte Abhilfe geschaffen werden.
  • Das Kind oder die/der Jugendliche kann verantwortungsvoll mit finanziellen und materiellen Ressourcen umgehen.
  • Es gibt stabile und positive außerfamiliäre soziale Kontakte.
  • Das Kind oder die/ der Jugendliche ist sozialkompetent und selbstbewusst.

Spezifische Arbeitsweisen und Methoden sind unter anderem:

  • freizeit- und erlebnispädagogische Angebote (auch im Gruppenkontext)
  • Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins
  • aktives Zuhören
  • Beratung in Erziehungsfragen
  • Vernetzung und Kooperation
  • Erkundung von Talenten, Fähigkeiten und Interessen
  • klientenzentrierte Beratung
  • Unterstützung beim Aufbau sozialer Netzwerke
  • Beratung in Haushaltsangelegenheiten (Hygiene, Geldverwaltung, Einkaufsplanung)
  • Erarbeitung von Alltagsstrukturen
  • Unterstützung bei Zukunftsplänen
  • Kontakte und Vernetzung mit dem Herkunftssystem
  • Kooperation mit Schulen, Arbeits- und Ausbildungsstätten
  • Kooperation mit Mädchenhäusern und Mädchentreffs
  • Kooperation mit Mutter- und Vater- Kind- Einrichtungen
  • Kennenlernen und Nutzen der Angebote im Stadtteil